Heldenhaft

März 25, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

(2011-06-18 – 02:20:50)

Ihr seid jetzt sicher alle neugierig wie das Date war. Ich kann noch gar nicht fassen, dass ich das wirklich durchgezogen habe. Heute, also eigentlich schon gestern Nachmittag habe ich total früh angefangen aus dem Klamottenberg in meinem Zimmer dann doch noch etwas Tragbares zusammenzustellen. Ich kam mir letztendlich overdressed vor, aber einigermaßen wohlgefühlt habe ich mich trotzdem. Außerdem habe ich Mama dazu gedrängt ein Foto von mir zu machen. Ich sehe darauf irgendwie so alt aus.

Getroffen haben wir uns um 18 Uhr. Ich erwähne extra keine genauen Orte, ich möchte nicht, dass jeder weiß wo ich mich so aufhalte. Unser Treffpunkt war ein nettes kleines Café. Eigentlich total spießig. Er fand das auch. Haben drüber Witze gemacht als wir dort saßen und mindestens genauso spießig einen Cappucchino tranken. Aber halt halt, soweit sind wir ja noch gar nicht. Ich war zuerst da. Und er hat mich ungefähr zehn Minuten warten lassen. Die kamen mir unheimlich lang vor und meine Befürchtung war natürlich, dass er nicht kommen würde. Nee, da lief er plötzlich die Straße entlang. Kein bisschen so aufgemotzt wie ich. Ganz locker und natürlich ging er auf mich zu. Heftig. Entweder er ist sehr selbstbewusst oder hat sich einfach nur total gut unter Kontrolle. Mein Herz rutschte mir ganz schön in die Hose. Zu dem passe ich doch gar nicht, war mein erster Gedanke. Bin viel zu schüchtern und er sucht sicher ein Mädchen was ihm das Wasser reichen kann. “H-Hallo.” Ich strecke ihm die Hand entgegen, er lächelt charmant und bekommt dabei leichte Grübchen im Gesicht. “Hey Yuki. Cool, dass es geklappt hat. Schaust echt gut aus.”, war das ernst gemeint? Das war dann mein zweiter Gedanke. Total verlegen und überfordert folgte ich ihm ins Café. Da saßen wir dann. Ich hatte Angst vor dem großen Schweigen, jedoch bestach er auch da mit viel Selbstbewusstsein und redete einfach drauf los, als ob wir uns schon eine Weile kennen würden. Ich traute mich kaum ihm in die Augen zu sehen und das wurde auch nur langsam besser. Er gab mir aber ein gutes Gefühl, weshalb ich immer mehr auftaute und mit längeren Sätzen antwortete. Er muss am Anfang gedacht haben, dass ich überhaupt kein Interesse an ihm habe.
Als er zwischendurch zur Toilette ging, musterte ich ihn unauffällig nochmal etwas genauer. Außerdem hatte ich endlich Zeit mal langsam tief ein und aus zu atmen. Boah, wenn ich nur daran denke, dass es Leute gibt die sich eine solche Situation des Öfteren antun. Nein, nicht falsch verstehen, nur die Sache an sich, nicht wegen des Menschen. (…) Jedenfalls trug er dunkelblaue Baggy-Pants. Nicht unterm Arsch. Eigentlich recht normal. Und darüber ein schwarzes Bandshirt. Die Band darauf war mir allerdings kein Begriff, sah nach einer Metalband aus?! Rein nach dem Klischee zu urteilen scheint er aber gar nicht der Metal-Typ zu sein. Das gilt es noch herauszufinden. Ich bin ja kein Musikfaschist. Ansonsten ist er recht groß, geschätzte 185cm, gut gebaut (er spielt Fußball, sagt er), hat sehr sehr kurz rasierte schwarze Haare, dunkelbraune Augen zum Dahinschmelzen und zudem einen dunklen Teint. Er ist Afro-Deutscher, falls das eine politisch-korrekte Bezeichnung ist. Aber er ist nicht richtig richtig dunkel, sondern eher wie eine sehr helle Vollmilchschokolade, versteht ihr? Ich könnte jetzt stundenlang über sein Äußeres quatschen, aber das interessiert euch sicher nicht. o.-

Als er vom Klo kam, ging es mir schon viel besser. In der Zeit konnte ich die ersten Eindrücke stückweit verarbeiten. Im Café blieben wir nicht mehr so lange und gingen dann in eine Art Bar. Dort war ich vorher noch nie und es bekräftigt auch wieder das Klischee, dass er Rapmusik nicht abgeneigt ist. Wir quatschten uns ziemlich fest. Eigentlich hatte ich meiner Mutter versprochen spätestens um 21 Uhr wieder zu Hause zu sein. Aber es wurde immer später und später. Gegen 23 Uhr rief mich meine Mutter auf dem Handy an. Das war mir total unangenehm, deshalb drückte ich sie einfach weg. Ja, das war ein idiotischer Zug von mir. Weiss ich im Nachhinein auch. “Wieso hast du sie weggedrückt? Weiss sie nicht wo du bist?”, wieso musste Fredro sowas fragen… ich erzählte ihm die Wahrheit und er schien nicht so begeistert. Er fühlte sich dafür verantwortlich und wollte mich sofort nach Hause fahren. Als wir vor der Wohnungstür standen, kam meine Mutter auch schon raus. Ihr Gesicht werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Total wütend. Sie griff mich gleich am Arm, zerrte mich in die Wohnung und schrie Fredro währenddessen an. Von wegen was ihm einfallen würde ihre Tochter irgendwo gefangen zu halten. Krass krass krass. Sie will erst morgen früh mit mir darüber sprechen. Also habe ich jetzt ne ganze Menge Zeit über heute nachzudenken.

Fredro schrieb eben noch eine SMS: “Kopf hoch. Deine Mom macht sich nur Sorgen.”
Ich werde ihn wiedersehen.

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